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Research Note

Crowdlending-Risiken: Kreditausfall, Rückkauf und Plattforminsolvenz in Deutschland

CrowdStats Redaktion

Publiziert: 22. Apr. 2026 · Aktualisiert: 5. Oktober 2026

Aktualisiert: 5. Oktober 2026

Beim Crowdlending tragen Anleger das Risiko, dass Kreditnehmer, Originator oder Plattform ausfallen. Wer im Ernstfall zahlt, bestimmt das Produkt. Dieser Ratgeber ordnet fünf Ausfallfälle, erklärt den Rückkauf, zeigt vier Mintos-Fälle von 2019 und 2020 und rechnet die Verlustkonzentration vor.

Verlustträger bei Kreditnehmerausfall, Originatorausfall und Plattformausfall

Den Verlust trägt zunächst der Anleger, soweit weder eine Sicherheit noch ein Rückkauf noch ein anderer Schuldner einspringt. Welche Forderung Anleger halten, legen die Bedingungen je Produkt fest: direkte Forderung, Abtretung, Notes oder Ansprüche aus einem Portfolioprodukt.

Ausfall Wirtschaftlicher Träger Weg der Rückholung
Kreditnehmer zahlt nicht Anleger entsprechend seiner Forderung, bei wirksamem Rückkauf zunächst der Originator als zusätzlicher Schuldner Mahnung, Inkasso, Sicherheiten, gegebenenfalls Rückkauf nach Vertrag
Originator fällt ohne Rückkauf aus Anleger mit Forderungs- und Weiterleitungsrisiko Abtretungs- oder Note-Struktur, Wechsel des Servicers, Insolvenzforderung
Originator fällt trotz Rückkaufzusage aus Anleger mit dem Rest Rückkaufanspruch gegen den ausgefallenen Schuldner, Gruppengarantie nur bei vertraglicher Einschlägigkeit
Plattform fällt aus Anleger kann Ansprüche behalten, Verwaltung und Durchsetzung sind gefährdet Kontinuitätsplan der Plattform, tatsächlicher Verwalter oder Abwickler
Täuschung durch Kreditnehmer oder Originator Anleger, soweit kein haftender Ersatzschuldner oder verwertbare Sicherheit greift Zivil- und Strafverfolgung, Sicherheiten

Die Zuordnung folgt den Hilfeartikeln von Mintos und PeerBerry sowie der Estateguru-Rückholungsübersicht.

Rückkauf bei Mintos und PeerBerry als Forderung gegen den Originator

Ein Rückkauf ist eine private Verpflichtung. Wird der Verpflichtete zahlungsunfähig, kann er den Rückkauf nicht oder nicht vollständig erfüllen. Eine spätere teilweise Rückholung bleibt dadurch möglich. Der Rückkauf wirkt also gegen den Kreditnehmerausfall, solange der Originator zahlt.

PeerBerry nennt den Rückkauf nach mehr als 60 Tagen Verzug (PeerBerry-Hilfe, Abruf 5. Oktober 2026). Die PeerBerry-Hilfe zur zusätzlichen Gruppengarantie beschreibt Garantien der Aventus Group und der Gofingo Group. Ob eine konkrete Anlage erfasst ist, zeigen die zugehörige Garantie und die Vertragsbedingungen.

Am Sekundärmarkt gekaufte Anlagen haben laut PeerBerry-Hilfe dieselben Rückkauf- und Gruppengarantien wie am Primärmarkt.

Debitum unterscheidet je Produkt zwischen Rückkaufverpflichtungen, Pfändern, Reserve und Bürgschaften (Debitum-FAQ, 4. Dezember 2025). Bei Bondora Go & Grow nennt die Risikoerklärung ausdrücklich die Möglichkeit eines Verlusts.

Mintos-Fälle 2019 und 2020 mit Suspendierung und Rückholung bis 29. Juli 2020

Mintos veröffentlicht eine Falldatei mit dem Datenstand 29. Juli 2020 (Mintos Default and Suspension Cases). Das betroffene Kapital ist das zum Suspendierungstag investierte ausstehende Kapital. Die Fälle fanden auf einer Plattform statt, die deutschen Anlegern offensteht. Den Wohnsitz der Anleger schlüsselt die Datei nicht auf.

Ereignis Betroffenes Kapital Zurückgeholt bis 29.07.2020 Quote
23.10.2019 Rapido Finance am Mintos-Primärmarkt suspendiert, laut Mintos im Januar 2020 Insolvenzantrag 425.522 € 0 € 0,0 %
06.12.2019 Monego am Mintos-Primärmarkt suspendiert 9.494.557 € 2.396.789 € 25,2 %
25.03.2020 Varks am Mintos-Primärmarkt suspendiert, Lizenzentzug laut Mintos-Begleittext am 24.03.2020 27.354.929 € 6.735.393 € 24,6 %
28.03.2020 AlexCredit am Mintos-Primärmarkt suspendiert 4.427.670 € 120.625 € 2,7 %

Die vier Zeilen summieren sich auf 41.702.678 Euro betroffenes und 9.252.807 Euro zurückgeholtes Kapital, also 22,2 %. Die Summe ist eine eigene Rechnung auf Basis der Mintos-Zahlen. Die Tabelle zeigt den Zwischenstand von 2020. Einen Recovery-Stand von 2026 enthält die Datei nicht.

Aus dem Jahr 2026 liegen zwei Berichte ohne Quote für den Einzelfall vor. Nach eigener Angabe nennt Estateguru am 22. Juli 2026 kumulierte Rückholungen von 70 Millionen Euro und 6,3 Millionen Euro eingezogene Beträge im ersten Halbjahr 2026. Stiftung Warentest berichtet am 2. Oktober 2026 über den Rückzug von Rendity und die Auflösung von Bergfürst zum 1. Oktober.

Kontinuitätsplan der Plattform nach Artikel 12 der Verordnung 2020/1503

Fällt eine Plattform aus, können die Forderungen gegen die Kreditnehmer fortbestehen. Gefährdet sind Verwaltung, Zugang zu Unterlagen und Inkasso. Deshalb verlangt die EU-Verordnung 2020/1503 im Zulassungsantrag einen Plan, der kritische Dienste bei einem Ausfall des Anbieters fortführt (Artikel 12 Absatz 2 Buchstabe j). Zu diesen Diensten zählt laut Erwägungsgrund 25 die laufende Kreditverwaltung.

Anleger prüfen daher im Plattformdokument, wer als Verwalter oder Abwickler genannt wird.

Die Plattform prüft Projekte vor der Platzierung. Dabei lässt die Geschäftsleitung Kreditrisiken bewerten (Artikel 4 Absatz 2). Setzt die Plattform den Angebotspreis selbst fest, prüft sie das Ausfallrisiko des Projekts vorab angemessen (Artikel 4 Absatz 4 Buchstabe a). Die Prüfung eines Projekts ist keine Rückzahlungsgarantie. Eine mögliche Haftung der Plattform wegen eigener Pflichtverletzungen ist davon zu unterscheiden und hängt vom Einzelfall ab (§ 280 BGB).

Qualifizierter Nachrang bei deutschen Vermögensanlagen nach § 39 InsO

Bei deutschen Nachrangdarlehen rücken die Forderungen von Anlegern im Insolvenzverfahren nach hinten. Nach § 39 Absatz 2 InsO werden vertraglich nachrangige Forderungen im Zweifel nach den Forderungen des Absatzes 1 berichtigt.

Ein qualifizierter Nachrang kann Ansprüche schon vor der Insolvenz sperren, nämlich bei drohender Insolvenz (Stiftung Warentest, 6. August 2025). Das OLG Dresden befasste sich am 5. März 2025 im Verfahren 5 U 1392/24 mit der Transparenz einer solchen Klausel im Einzelfall (Wiedergabe bei dejure.org). Rückschlüsse auf alle qualifizierten Nachrangklauseln lässt die Entscheidung nicht zu.

Welche Rangstellung ein Angebot hat, beschreibt der Ratgeber Crowdfunding-Arten.

Liquiditätsrisiko beim Verkauf von Forderungen vor Laufzeitende

Mintos behandelt ausstehende Beträge bei Problemen eines Kreditgebers als Recovery-Fälle (Mintos-Hilfe zu überfälligen Beträgen). Ob und wie ein Instrument dann handelbar bleibt, hängt vom einzelnen Instrument ab. Keiner der zitierten Hilfetexte sagt einen Käufer oder einen festen Ausstiegstermin zu.

Bei Forderungen in Fremdwährung kommt das Wechselkursrisiko gegenüber dem Euro hinzu.

Absicherung und Gebühren legt jedes Instrument selbst fest. Das gilt auch für den Fall, dass Zinsen und Rückzahlungen in einer anderen Währung als Euro fließen.

Verlustkonzentration bei 10.000 Euro auf 100 oder auf 10 Kredite

Das Modell verteilt 10.000 Euro und lässt genau einen Kredit vollständig ausfallen. Zinsen, Recovery und Steuer fehlen bewusst.

Aufteilung Betrag je Kredit Verlust Anteil an 10.000 Euro
100 Kredite 100 Euro 100 Euro 1 %
10 Kredite 1.000 Euro 1.000 Euro 10 %
10 Kredite, 60 % Recovery 1.000 Euro 400 Euro 4 %

Ein Rückkaufversprechen mindert den Verlust nur, wenn der Verpflichtete zahlt.

Die 60-Tage-Bedingung bei PeerBerry beschreibt den Zeitpunkt des Rückkaufs. Eine Ausfallwahrscheinlichkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

Fehlende Einlagensicherung laut Anlagebasisinformationsblatt

Dienste nach der Verordnung 2020/1503 sind keine gesicherten Bankeinlagen (Artikel 19 Absatz 2).

Das Anlagebasisinformationsblatt weist nach Artikel 23 Absatz 6 Buchstabe c darauf hin, dass weder Einlagensicherung noch Anlegerentschädigung für das Investment gelten. Es rät außerdem, höchstens 10 % des Nettovermögens in Crowdfunding zu investieren. Ein gesetzliches Portfolio-Limit steht dort nicht. Guthaben auf einem Bankkonto beurteilen Anleger gesondert.

Eine Mindestzahl an Plattformen nennt keine der Quellen. Kreditnehmer, Originator, Land, Währung und Betreiber lassen sich getrennt betrachten. Auch ein kurzer Beobachtungszeitraum sagt wenig. Mintos weist für sein historisches Portfolio eine geschätzte Verlustquote von 8,2 % für 2022 und 0,0 % für 2023 aus (Mintos). Daher taugt diese Kennzahl nicht als allgemeine Ausfallwahrscheinlichkeit für neue Anlagen.

Maclear-Eskalationsstufen ab Tag 3 und Provision Fund bei Zahlungsverzug

CrowdStats arbeitet mit Maclear in einer bezahlten Kooperation zusammen. Die Offenlegung steht in der Methodik.

Maclear beschreibt bei Zahlungsverzug einen Eskalationsplan mit Provision Fund, Inkasso und gegebenenfalls rechtlicher Durchsetzung (Maclear, Default Protection, 3. August 2026). Nach dieser Darstellung des Anbieters deckt der Fonds ab Tag 3 die Zinsen der Anleger. Ab Tag 30 beginnt weiches Inkasso, ab Tag 60 starten Rechtsverfahren und die Verwertung der Sicherheiten über einen Forderungsabtretungsvertrag. Erlöse werden anteilig an alle Anleger des Projekts verteilt.

Der Fonds speist sich laut Maclear-FAQ vom 10. September 2026 aus 2 % jedes erfolgreich finanzierten Projekts. Maclear beschreibt den Fonds als Reserve ohne Versicherungscharakter. Leistungen aus dem Fonds stehen unter dem Vorbehalt ausreichender Mittel. Ununterbrochene Zinszahlungen und die volle Rückzahlung des Kapitals sagt der Fonds vertraglich nicht zu. Laut Maclear senkt der Mechanismus das Kapitalverlustrisiko.

Als Beispiel nennt Maclear das Projekt Vibroedil aus dem Jahr 2025. Dort erhielten die Anleger nach einer privaten Einigung 100 % ihres Kapitals, und der Fonds wurde nicht aktiviert. Es handelt sich um einen Einzelfall und um eine Angabe des Anbieters.

Auszahlungen bearbeitet Maclear aus dem verfügbaren Guthaben ab 50 Euro in der Regel binnen ein bis zwei Geschäftstagen. Danach braucht die Banküberweisung laut Anbieter üblicherweise einen weiteren Geschäftstag (Maclear, 3. August 2026). Investierte Beträge sind nicht direkt auszahlbar. Eine frühere Verfügbarkeit kann durch einen zulässigen Verkauf am Sekundärmarkt entstehen und setzt einen Käufer sowie die Erfüllung der Verkaufsbedingungen voraus.

Häufige Fragen zu den Risiken beim Crowdlending

Kann man beim Crowdlending das gesamte Geld verlieren?

Ja, ein Totalverlust ist möglich, und die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich davor. Auch mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Ausfälle können das Kapital aufzehren. Fallen zwei Kredite zu je 100 Euro in aufeinanderfolgenden Jahren ohne Rückfluss aus, ist ein Portfolio von 200 Euro verloren. Gemeinsame Abhängigkeiten von Originatoren oder Plattformen begrenzen die Streuungswirkung.

Was passiert mit meinem Geld, wenn die Crowdlending-Plattform insolvent wird?

Forderungen gegen Kreditnehmer können fortbestehen. Offen bleibt, wer sie verwaltet und wo das Anlegergeld liegt. Bei Mintos hängt die Forderungsstruktur vom Produkt ab. In der direkten Struktur hält der Notes-Emittent die zugrunde liegenden Kreditforderungen, daneben beschreibt Mintos indirekte Strukturen. Maßgeblich sind die Dokumente der konkreten Notes. Anleger suchen darin den Emittenten, das Konto für Anlegergelder und den Verwalter im Insolvenzfall.

Wie viel Prozent des Vermögens sollte man in Crowdlending investieren?

Laut dem Informationsblatt nach der Verordnung 2020/1503 gelten 10 % des Nettovermögens als empfohlene Obergrenze für Crowdfunding.

Bei 40.000 Euro Nettovermögen sind das 4.000 Euro. Eine gesetzliche Obergrenze besteht nicht. Auch die Verlustsimulation nach Artikel 21 rechnet mit 10 % des Nettovermögens.

Schützt ein Rückkauf bei Mintos oder PeerBerry vor Verlusten?

Er schützt, solange der Originator zahlungsfähig ist.

Prüfen sollten Anleger, welcher Rechtsträger als Rückkäufer haftet. Bei PeerBerry kommen laut Hilfe zusätzliche Gruppengarantien hinzu. Bei Mintos besteht laut Mintos für die meisten Kredite eine Rückkaufpflicht des Originators.

Wie schnell komme ich bei PeerBerry oder Bondora an mein Geld?

PeerBerry erlaubt den Verkauf am Sekundärmarkt erst nach 180 Tagen Haltedauer, mit Abschlägen bis 50 %, sofern sich ein Käufer findet. Reichen bei Go & Grow die Mittel für eine vollständige Auszahlung nicht, kann Bondora den Betrag laut Hilfeartikel in Teilzahlungen auszahlen. Laut Risikoerklärung können diese an Bankarbeitstagen erfolgen, sobald Mittel verfügbar sind. Einen festen Termin für die vollständige Auszahlung sagt Bondora dadurch nicht zu.